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TIEFE BEINVENENTHROMBOSE

Abbildung der tiefen Beinvenen mit Fachnamen

Die tiefen Beinvenen

Die Venen sammeln das Blut aus dem Gewebe über kleine Kapillaren, die in etwas größere Gefäße und diese in wieder größere Venen münden, bis sich schließlich alles Blut aus dem Bein in der Beckenvene sammelt. Man spricht von Etagen des Venenabflusses: Unterschenkel, Kniekehle, Oberschenkel und schließlich Becken. Am häufigsten bildet sich eine Venenthrombose im Unterschenkel und breitet sich dann nach oben aus.

Nur ein kleiner Teil fließt über oberflächlich gelegene Venen ab, der größte Teil des Blutes aus den Beinmuskeln wird in den sogenannten tiefen Beinvenen Richtung Becken geführt. Deshalb unterscheidet man eine oberflächliche (Thrombophlebitis) von einer tiefen Thrombose, der sogenannten tiefen Beinvenenthrombose (oft abgekürzt als TVT und in der medizinischen Fachsprache als "Phlebothrombose" bezeichnet).

Was ist eine tiefe Beinvenenthrombose?

Durch die Entstehung eines Gerinnsels in den tief liegenden Beinvenen wird der Blutabstrom teilweise behindert. Wie groß die Abflussbehinderung ist, hängt davon ab, ob andere Venen das Blut umleiten können. Als mögliche Komplikation kann sich eine akute Lungenembolie oder als Spätfolge ein postthrombotisches Syndrom (chronisches Venenleiden) entwickeln.

Dann kann es passieren, dass der Betroffene nichts von der Gefahr bemerkt. Rund zwei Drittel aller Patienten, die eine tiefe Beinvenenthrombose aufweisen – vor allem im Bereich des Unterschenkels – haben keine Beschwerden oder nur leichte Symptome, die die Ursache nicht vermuten lassen! Wenn sich aber die Thrombose nach oben ausdehnt, kommt es irgendwann unweigerlich zu Beschwerden. Dabei ist das Komplikationsrisiko für den Betroffenen umso größer, je dicker die beteiligte Vene und damit auch das sie ausfüllende Gerinnsel – die Venenthrombose – ist.

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Venenthrombose?

Folgende Faktoren erhöhen die Gefahr für eine tiefe Beinvenenthrombose: 

•  Allgemein können ein höheres Lebensalter oder Übergewicht Auslöser für die Erkrankung sein.
•  Zu wenig Bewegung: langes Sitzen im Flugzeug (
Economy-Class-Syndrom), Bettlägerigkeit, Gipsverband
•  Operationen (z. B. orthopädische und allgemeinchirurgische)
•  Rauchen
•  Die Einnahme von Hormonpräparaten (z. B. Antibabypille)
•  Schwangerschaft und Wochenbett
•  Thromboseneigung besteht auch bei bestimmten Erbkrankheiten: APC-Resistenz ("Faktor-V-Leiden-Mutation"), Antithombin III-Mangel, Protein C- und Protein S-Mangel, Hyperhomocysteinämie
•  Tumorerkrankungen

Bereits die Einnahme der Pille erhöht das Risiko, eine Venenthrombose zu erleiden, um das Fünffache. Eine Vervielfachung der Thrombosegefahr ergibt sich bei zusätzlichem Zigarettenkonsum. Besteht zudem noch eine APC-Resistenz, dann ist das Risiko um das 50- bis 100-Fache erhöht!

Welche Beschwerden sind typisch für eine tiefe Beinvenenthrombose?

Nicht alle Thrombosen werden vom Patienten bemerkt (asymptomatische Thrombose), und oft gibt erst eine medizinische Untersuchung Auskunft über eine stattgefundene Thrombose. Kommt es aber zu Beschwerden und sind diese einseitig vorhanden, besteht der Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose (eine beidseitige Beteiligung kann ebenso - wenn auch selten - vorliegen). Der Patient verspürt ein "Ziehen" und ein Spannungsgefühl in den Beinen, das sich wie ein "Zerreißungsschmerz" anfühlt. Ebenso kann ein Schmerz auftreten, der sich wie ein Muskelkater anfühlt. Die tiefe Beinvenenthrombose ist insbesondere durch einen Druckschmerz an der Wade und/oder an der Oberschenkelmuskulatur sowie einen Fußsohlenschmerz gekennzeichnet. Die Beschwerden fallen beim Gehen - oder auch spontan - auf. Manchmal kommt es auch zu Fieber und Herzrasen.

Welche Komplikationen bringt eine Venenthrombose mit sich?

•  Wiederauftreten der Venenthrombose (in der medizinischen Fachsprache "Rezidiv-Thrombose" genannt)
•  Rascher, vollständiger Verschluss der Vene kann zu extremer Schwellung, kalter Haut (durch Kompression der Arterien), Schock und Nierenversagen führen. In diesem Fall ist eine sofortige chirurgische Intervention nötig.

•  Lungenembolie: Viele Patienten, die eine tiefe Beinvenenthrombose aufweisen, bekommen als Folgeerkrankung eine Lungenembolie, die allerdings bei einem Großteil der Patienten symptomfrei verläuft. Besonders häufig tritt diese Komplikation bei jenen Patienten auf, die eine Beckenvenenthrombose erleiden. Plötzliche Luftnot, Herzrasen und Brustschmerzen können Hinweise auf diese Erkrankung geben. Im Extremfall kann auch ein plötzlicher Bewusstseinsverlust (Synkope) auftreten. 
•  Postthrombotisches Syndrom: Dieses tritt vor allem nach einer Venenthrombose im Oberschenkel auf. Es beruht auf einer unwiderruflichen Zerstörung der tiefen Venenklappen. Dadurch kann die Vene das Blut nicht funktionsgemäß vorwärtstreiben und es kommt zum Rückstau des Blutes. In der Folge findet eine Umleitung des Blutes in die oberflächlichen Venen statt und der Patient entwickelt Krampfadern. Zusätzlich leidet er an einer Schwellung und an einer meist braunen Verfärbung des Beins. Schließlich kann es zu einem Geschwür am Unterschenkel (Ulcus cruris) kommen.

Was kann man selbst tun, um eine tiefe Beinvenenthrombose zu vermeiden?

Vermeiden Sie Risikofaktoren wie Rauchen, seien Sie sich des erhöhten Risikos durch die Einnahme der Antibabypille bewusst und ernähren Sie sich gesund! Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit (keinen Alkohol) und tragen Sie bequeme Kleidung. Besonders während langer Flug- oder Busreisen achten Sie darauf, einen Gangplatz zu bekommen, und bewegen Sie regelmäßig Ihre Beine.

Eine praktische Anleitung zu einfachen Venenübungen finden Sie hier. 

Sollte das Bein geschwollen, schmerzhaft, blau oder überwärmt sein, besteht der Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose. Sollten Sie Kompressionsstrümpfe haben, verwenden Sie diese, da Sie damit den Thrombus an der Vene fixieren. Begeben Sie sich so bald wie möglich in ärztliche Behandlung.

Wie wird eine tiefe Beinvenenthrombose behandelt?

In jedem Fall ist eine blutverdünnende Behandlung (Antikoagulation) erforderlich, die in der Akutphase unter anderem mit Heparin (mit sogenannten niedermolekularen Heparinen), im Anschluss daran mit Kumarinderivaten (Phenprocoumon und Acenocoumarol) durchgeführt werden kann.

Um das erneute Auftreten einer Venenthrombose zu verhindern, wird die Kumarintherapie für sechs bis zwölf Monate weitergeführt.

Für genauere Informationen wenden Sie sich an Ihren behandelnden Arzt.

Letzte Aktualisierung: 18.12.2018